Ich habe gerade einen spannenden Artikel auf ZEIT.de gelesen (der sich hier findet). Die These die der Artikel formuliert ist, dass die heutige Studentengeneration (also meine Generation) auch radikal ist, aber eben nicht ideologisch-radikal, sondern pragmatisch radikal. Beispiele wie die Freundschaften zwischen “linken” und “burschenschaftlern” in Marburger Studentenkreisen oder aber politische Freundschaften zwischen Claudia Roth und Günter Beckstein, Anna Lürmann und Jens Spahn (CSU / CDU vs Grüne) werden genannt. Auch die Philosophie muss drann glauben, die “Ideologen” verstauben in den Regeln, en vogue sind die Pragmatiker, so so…und das sollen wir, also auch ich, radikal vertreten. Ein paar Gedanken dazu…
Ich glaube wir sind weniger ideologisch geworden im Sinne eines, “ja, wir können über sehr viel diskutieren”, ich kann beispielsweise sehr gut und sehr gerne mit einem FDPler über Steuerpolitik streiten und ihm in Bürgerrechtsfragen zustimmen. Aber am Ende des Tages ist es nur eine Debatte, vielleicht entsteht ein Kompromiss, eine gemeinsame Ansicht formulieren wir da nicht.
Pragmatisch würde ich dass auch nicht nennen, was wir da tun. Wir haben unsere politischen Forderungen die wir für richtig halten, aber einig sind “wir” uns da schon mal garnicht. Was sich vielleicht geändert hat ist die Streitkultur, der Umgang miteinander. Und, was sich nocht geändert hat ist die Deutlichkeit in der man Konfliktlinien erkennt. Die sind vielleicht für einen aus unserer Elterngeneration nicht mehr so leicht zu erkennen, früher war man halt links oder rechts, adenauer oder ho-chi-min. Stimmt, dass ist heute nicht mehr so, ob uns das pragamtischer macht? Ich glaube es nicht.
Aber zurück zur Streitkultur, und ich glaube hier hat das Internet eine ganze Menge einfluss. Gäbe es nicht Twitter, Facebook, StudiVZ, Blogs und Foren, ich glaube viele Meinungen würden gar nicht aufeinandertreffen. Viele Gespräche würden nicht stattfinden, viele Argumente nicht ausgetauscht werden. Ich muss nicht auf eine CDU Versammlung oder in das Büro der Grünen um etwas über Positionen und Inhalte zu lernen, ich kann, ganz entspannt, von zu Hause aus, und relativ anonym mir diese Inhalte anschauen, mit wildfremden Menschen diskutieren, irgendwelche Kommentare auf irgendwelche Artikel schreiben (so wie diesen hier), ohne dass ich gleich in eine ideologische Schublade gesteckt werde, ohne dass mich gleich jemand schräg von der Seite anguckt. Das führt beim Beobachter vielleicht zum Eindruck, dass wir pragmatischer sind und das dann radikal vertreten. Ich glaube der Eindruck täuscht.
Ich glaube, dass wir mit dem Internet ein Werkzeug bekommen haben dass es uns ermöglicht freier, im gleichberechtigen Diskurs, Meinungen auszuloten, und dabei unsere eigenen Ansichten zu festigen. An etwas zu glauben ist einfach nicht mehr mein Ding, Ich habe vielmehr eine konkrete Vorstellung davon, wie etwas sein soll und ich kenne sehr wohl die Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Gut gut, das mag man jetzt Pragmatismus nennen, nur damit man eine “Ideologie” hat, an die wir, also auch ich, “glauben”. Wenn es denn unserer Elterngeneration hilft uns besser zu verstehen, bitte, nennt unseren Ansichten, unsere Bereitschaft zum Herrschaftsfreien Diskurs und unsere realpolitischen Forderungen Ideologien, wenn es um Kritik geht auch mal “gestrig” oder “unvernünftig”, ich dagegen bin ja immer schon ein Freund davon gewesen, dinge beim Namen zu nennen. Wie wäre es mit “gesunder Menschenverstand”?
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